Angesichts der dringlichen Klimaschutzziele und des wachsenden Bedarfs an erneuerbarer Energie gewinnt die Nutzung von ohnehin versiegelten Flächen für Photovoltaik (PV) zunehmend an Bedeutung. Während klassische Dachanlagen vielerorts bereits Standard sind, eröffnet die Integration von Photovoltaik auf Parkplätzen – auch als Parkplatz-PV oder PV-Überdachung von Parkflächen bezeichnet – neue Dimensionen der nachhaltigen Stromgewinnung. Parkplätze sind speziell in urbanen und gewerblichen Bereichen eine ideal genutzte Fläche, die sich hervorragend zur Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen eignet. Durch die Überdachung von Parkplätzen mit PV-Modulen entsteht somit ein doppelter Nutzen: Schutz für abgestellte Fahrzeuge und nachhaltige Energieerzeugung.
Der folgende Blogartikel beleuchtet das Thema umfassend und ordnet es praxisbezogen am Beispiel des neuen Hauptsitzes der Materna-Gruppe in Dortmund ein.
Flächenoptimierung: Nachhaltigkeit durch Mehrfachnutzung
Die Photovoltaiknutzung auf Parkplätzen bietet den großen Vorteil der effizienten Flächennutzung, weil keine zusätzlichen Flächen versiegelt werden müssen. Die vorhandenen Asphalt- oder Pflasterparkflächen werden durch die Installation von PV-Carports zweckmäßig ergänzt, ohne in Naturareale einzugreifen. In Deutschland gibt es laut Fraunhofer Institut etwa 47.000 Hektar Parkfläche, was einem technischen Potenzial von rund 59 Gigawatt Peak (GWp) an installierbarer PV-Leistung entspricht. Das entspricht knapp einem Drittel der ambitionierten PV-Ziele für 2030. Dabei sind nur wenige Megawatt bisher installiert, was das enorme Ausbaupotenzial unterstreicht.
Durch die Überdachung wird zudem eine zusätzliche Schutzfunktion geschaffen: Fahrzeuge werden vor Sonne, Regen und Schnee geschützt, was die Nutzerzufriedenheit steigert und auch die Hitzebelastung im Sommer reduziert.
Technisches und wirtschaftliches Potenzial von Parkplatz-PV
Die Skalierbarkeit macht Parkplatz-PV besonders attraktiv. Während kleinere Anlagen auf Einfamilienhaus-Carports bereits etabliert sind, bieten große Gewerbe- und öffentliche Parkflächen die Möglichkeit, Solarstrom im industriellen Maßstab zu generieren. Studien zeigen, dass allein auf Parkplätzen mit mehr als 35 Stellplätzen deutschlandweit ein technisches Potenzial von rund 25 Gigawatt besteht. Nordrhein-Westfalen weist hier mit etwa 5 Gigawatt das größte Ausbaupotenzial aller Bundesländer aus.
Neben dem Umwelteffekt birgt die Investition handfeste wirtschaftliche Vorteile. Unternehmen können Eigenstrom für Gebäude, Ladeinfrastruktur sowie Flotten bereitstellen und gleichzeitig vom Imagegewinn profitieren. Die Stromproduktion vor Ort senkt Betriebs- und Energiekosten, fördert die E-Mobilität und die Energieautarkie des Unternehmens
Rechtliche Voraussetzungen und die Parkplatz-PV-Pflicht
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen bilden die Basis für den Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Parkplätzen. In Deutschland ist die PV-Pflicht für Parkplätze bislang ein Flickenteppich – sie gilt vor allem für Neubauten ab einer bestimmten Mindestanzahl an Stellplätzen und je nach Bundesland mit spezifischen Anforderungen. So existiert seit Januar 2022 in Baden-Württemberg eine Pflicht zur Ausstattung neu gebauter, offener Parkplätze mit mehr als 35 Stellplätzen mit Photovoltaikmodulen. Ähnliche Regelungen gelten inzwischen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die Mindestanforderungen sind insbesondere:
- Die Fläche muss überwiegend für PKW vorgesehen sein.
- Es müssen mindestens vier Stellplätze nebeneinander angeordnet sein.
- Die Parkplatzfläche darf in der Regel nicht mehr als 10 Grad geneigt sein.
Die Anforderungen beziehen sich überwiegend auf den Neubau von Parkplätzen; Bestandsflächen sind oft ausgenommen. Die Landesbauordnungen und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regeln zudem die Einspeisevergütung und die Förderfähigkeit. Laut aktuellem EEG liegt die Vergütung bei 7ct/kWh für öffentliche und nicht-öffentliche Parkplatz-PV-Anlagen. Neue Gesetzesinitiativen sehen vor, die besonderen Solaranlagen in Ausschreibungen gegenüber anderen Flächentypen zu bevorzugen und damit den Ausbau auf Parkplätzen zu forcieren.
Umgehung oder Erfüllung der rechtlichen Vorgaben
Manche Betreiber suchen nach Wegen, den gesetzlichen Vorgaben zu entgehen – etwa indem sie Baumaßnahmen splitten und somit unter die Schwellenwerte fallen, oder indem sie Parkplätze in Bereichen entlang von Verkehrsstraßen oder mit gepflanzten Bäumen realisieren, die Ausnahmen vom Solarpflichtgesetz darstellen.
Aber angesichts der ökonomischen, ökologischen und Imagevorteile lohnt oft die vollständige Erfüllung der PV-Vorgaben. Die langfristigen Energieeinsparungen durch Eigennutzung und Einnahmen durch Netzeinspeisung machen die Investition auch wirtschaftlich attraktiv.
Ökonomische und ökologische Vorteile
Photovoltaikanlagen auf Parkplätzen bieten neben dem Hauptvorteil, keine weiteren Flächen zu versiegeln, mehrere weitere wichtige Vorteile:
- Kosteneinsparung: Eigenerzeugter Strom reduziert Kosten für die Beschaffung von Energie und somit auch Abhängigkeit von externen Energieversorgern. Überschüssiger Strom kann ins Netz eingespeist oder für Ladeinfrastruktur genutzt werden.
- CO2-Reduktion: Durch klimafreundliche Energieerzeugung werden CO2-Emissionen nachhaltig gesenkt, was Unternehmen und Kommunen beim Erreichen ihrer Klimaschutzziele unterstützt.
- Schattenspender: PV-Module schützen Autos vor Überhitzung, Sonnenstrahlung, Regen und Schnee und damit vor vorzeitigem Verschleiß.
- Förderung der E-Mobilität: Direkt vor Ort erzeugter Solarstrom kann für E-Ladesäulen genutzt werden, was die Nutzung erneuerbarer Energien im Verkehr voranbringt und die Attraktivität von Standorten erhöht.
- Speichersysteme: Ergänzend können Batteriespeicher den Eigenverbrauch weiter erhöhen und die Versorgungssicherheit verbessern.
- Imagegewinn: Unternehmen und Kommunen zeigen mit einem Solarcarport auf einem Parkplatz ein sichtbares Engagement für Nachhaltigkeit und Umweltschutz, was zur Kundenbindung und zu einer positiven Außendarstellung beiträgt.
Planungs- und Umsetzungspraxis
Der Planungsaufwand für Parkplatz-PV ist in der Regel höher als bei klassischen Dachanlagen, da Überdachungen großen statischen und ingenieurtechnischen Anforderungen genügen müssen. Neben der Statik und der Schneelastberechnung sind Blitzschutz, Brandschutz sowie die Integration der Ladeinfrastruktur zu berücksichtigen.
Von der Flächenprüfung über die Statik bis zur Netzanschlussplanung ist ein interdisziplinärer Ansatz erforderlich. ENTEGRO als erfahrener Anbieter berät bereits bei der Planung und begleitet Genehmigungsprozesse, um alle Voraussetzungen zu erfüllen. So erhalten Unternehmen nicht nur einen Solarparkplatz oder eine PV-Anlage für den Parkplatz, sondern eine schlüssige Lösung, die Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz verbindet.
Ladeinfrastruktur
Fast immer stellt sich die Frage nach dem Laden von Fahrzeugen. Oft sind bei Kunden noch nicht viele Elektrofahrzeuge vorhanden, so dass zunächst nur wenige Ladesäulen benötigt werden. Konzeptionell sollte immer sichergestellt werden, dass bereits Strom unter jedem Parkplatz liegt und bei Nachrüstung nicht der gesamte Parkplatz aufgerissen werden muss. Hier gilt es zum einen, zunächst die Kosten gering zu halten, und trotzdem vorausschauend zu planen und eine einfache Nachrüstbarkeit zu gewährleisten.
Es stellt sich weiterhin die Frage nach einfachen Ladern und Schnellladern und öffentliche Zugänglichkeit. Zudem müssen Ladevorgänge erfasst werden und steuerlich berücksichtigt werden. Mit einem guten Ladesystem können Datensätze für die Abrechnungssysteme generiert werden. So erfüllt die Abgabe von Strom, z.B. an Mitarbeiter, die gesetzlichen Anforderungen.
Finanzierungsmodelle
Bei hohem Stromverbrauch in räumlicher Nähe zum Parkplatz ist ein wirtschaftlicher Betrieb von Parkplatz-PV grundsätzlich immer gegeben. Aber auch Voll- oder Überschusseinspeisung kann sich lohnen.
Neben dem Kauf kommen auch Miet- oder Contractingmodelle infrage. So besteht auch die Möglichkeit, ohne große Kapitalbindung eine Finanzierung zu erreichen.
Parkplatz-PV und die Energiewende: Nutzen, Kritik und Zukunft
Parkplatz-PV-Anlagen erzeugen nicht nur Energie, sie sind auch Innovationstreiber. Sie entlasten Stromnetze durch lokal erzeugten Solarstrom, minimieren den Flächenverbrauch im Vergleich zu Freiflächenanlagen und beschleunigen die Verkehrswende durch Integration von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Das Potential für deutschlandweite installierte Kapazitäten ist riesig und reicht laut Experten aus, einen bedeutenden Teil des zukünftigen Strombedarfs zu decken, insbesondere in Gewerbegebieten.
Kritiker bemängeln die aktuell noch höheren Investitionskosten und den Planungsaufwand im Vergleich zu Dachanlagen. Die Wirtschaftlichkeit steigt jedoch mit der Skalierung und den laufenden Gesetzesänderungen. Kommunen und Unternehmen haben die Chance, ihre Klimaziele kosteneffizient zu erreichen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität auf ihren Parkplätzen zu verbessern. Parkplatz-PV ist damit mehr als nur eine technische Ergänzung; sie wird zur Schlüsselmaßnahme für die lokale, dezentrale Energiewende und für die Erfüllung von PV-Pflichten auf Arbeitsplatzparkflächen.
Best-Practice: ENTEGRO-Parkplatz-PV für Materna in Dortmund
Ein Vorzeigeprojekt für die Verbindung von nachhaltiger Unternehmensentwicklung, Flächenoptimierung und Energieinnovation findet sich in Dortmund auf Phoenix West bei der Firma Materna, einem führenden deutschen IT-Unternehmen. Mit der neuen Unternehmenszentrale setzen die Dortmunder Pioniere Maßstäbe für nachhaltiges Arbeiten und zukunftsfähige Infrastruktur und setzt dabei auf eine leistungsstarke Photovoltaik-Gesamtlösung. Zum einen wurde der firmeneigene Parkplatz mit einem von ENTEGRO entwickelten, innovativen Photovoltaik-Carportsystem mit intelligenter Ladetechnik ausgestattet. Zum anderen wurden die Dachflächen der neuen Firmenzentrale mit unserem Photovoltaik-Flachdachsystem belegt. Ergänzt wird das Konzept durch einen Eisspeicher, der mit Online-Einstrahlungsdaten von ENTEGRO optimal angesteuert wird.
Photovoltaik-Carportsystem auf dem Gelände der Materna Firmenzentrale:
- 332 Stellplätze
- 1.842 Module
- 802 kWp Leistung
- Intelligente Ladetechnik für maximale Effizienz
Referenz anschauen
Materna Firmenzentrale in Dortmund:
- Flachdachsystem mit Ost/West-Ausrichtung
- 1.922 Module
- 788 kWp Leistung
Referenz anschauen
Besonderheit:
- Kopplung zweier Mittelspannungsnetze (Parkplatz und Firma)
- Dadurch optimierte Energienutzung im Unternehmen
- Steuerung von Klimaanlagen und eines Eisspeichers zur optimierten Energienutzung
Ergebnis:
- 95 Tonnen CO₂-Ersparnis pro Jahr
- Mehr Unabhängigkeit bei der Energieversorgung
- Spürbare Reduktion der Energiekosten
- Optisch ansprechendes Projekt – Imagesteigerung
Das Projekt zeigt, wie die gezielte Nutzung von parkplatzgebundenen PV-Anlagen zur Flächen- und Energieoptimierung beiträgt und einen messbaren Beitrag zur Erreichung der unternehmerischen Klimaziele leistet. Mit ENTEGRO als erfahrenem Partner gelingt die Integration von Technik, Recht und Wirtschaftlichkeit und schafft eine Referenz für weitere gewerbliche und kommunale Parkplatz-PV-Projekte.
Fazit: Parkplatz-PV als Schlüsselelement nachhaltiger Stadt- und Unternehmensentwicklung
Parkplatz-PV entwickelt sich vom Nischenprodukt zur zentralen Lösung für die Energiewende in Städten und Unternehmen. Sie optimiert die Flächennutzung, unterliegt klaren rechtlichen Rahmenbedingungen und bietet innovative Möglichkeiten der Förderung und Umsetzung. Die Beispielanlage von Materna Dortmund unterstreicht, wie Unternehmen aktiv die Zukunft gestalten und Verantwortung übernehmen können – mit Mehrwert für Umwelt, Mitarbeiter und das eigene Geschäftsmodell.
Wer sich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzt und alle Aspekte – von der Flächenoptimierung bis zur rechtlichen Umsetzung, vom Netzanschluss bis zu den Ladetechniken – beachtet, kann nicht nur die gesetzlichen Anforderungen zur Parkplatz-PV-Pflicht erfüllen, sondern auch aktiv zur klimafreundlichen Energiewende beitragen.
Wenn auch Sie Ihr Energiemanagement verbessern möchten, lohnt sich ein Gespräch mit uns. Wir beraten Sie gerne individuell und persönlich.
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